Einfluss der Corona Pandemie auf den Tierschutz in Afrika

Nashorn, Nashörner, Wildlife
Seit 50 Mio Jahren auf der Erde, vom Menschen innerhalb von 100 Jahren fast ausgerottet!

Welche Auswirkungen hat die Corona Pandemie auf den Tierschutz?

Die Auswirkungen der Corona Pandemie auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in Südafrika sind enorm, aber auch für den Tierschutz hat der Zusammenbruch der Tourismusindustrie in ganz Afrika weitreichende Konsequenzen.

Die Wilderei ist leider schon seit vielen Jahren ein großes Problem. Professionell organisierte Wilderer-Syndikate und die starke Nachfrage aus Südostasien bringen das Weiße und Schwarze Nashorn, Elefanten und andere afrikanische Tierarten an den Rand des Aussterbens. Nach Angaben des WWF hat die Population des Schwarzen Nashorns seit 1960 um knapp 98% (!) abgenommen. Der Bestand an Löwen ist in den letzten 21 Jahren um 43% zurückgegangen und jährlich werden 35000 Elefanten illegal getötet. Es gibt nur noch ca. 1000 Berggorillas und auch andere Arten, die nicht so stark im öffentlichen Interesse stehen, sind stark gefährdet. So gibt es z.B. nur noch 2000 Grevys Zebras. Die Liste könnte man mühelos weiter fortsetzen.

Der traditionelle Markt der Wilderei.

Wenn man von Wilderei in Afrika spricht, meint man meistens das Abschlachten von Nashörnern und Elefanten wegen ihres Horns und Elfenbeins durch professionelle Syndikate. Dazu zählt aber auch das illegale Jagen von Tieren wegen ihrer Körperteile, die man für die traditionelle chinesische Medizin nutzt (TCM). Um nur einige wenige zu nennen: Löwen, Giraffen, Pangoline.

Außerdem ist der Verzehr von exotischem Wild in einigen asiatischen Ländern (China, Vietnam) zu einem Zeichen von Status und Reichtum geworden. Die Nachfrage treibt den Handel mit Wildtieren an und schafft darüberhinaus einen Nährboden für Krankheiten und die Chance, dass Viren auf den Menschen überspringen.

Wegen der in den letzten 2 Jahrzehnten enorm gestiegenen Nachfrage in Südostasien hat die Wilderei rasant zugenommen. Viele Tierarten wurden seltener und deshalb wesentlich teurer. Die Preise sind gestiegen und dadurch lohnt sich die Wilderei umso mehr. Was dazu geführt hat, dass die illegale Jagd professioneller und zum Leidwesen der Tiere effektiver geworden ist.

Über die Auswirkungen der Pandemie auf die Wilderei seit Beginn des Lockdowns gibt es unterschiedliche Meldungen. Unabhängige NGO’s meldeten besonders zu Beginn der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus eine Zunahme.
Nico Jacobs, Gründer von Rhino 911 berichtet von fast täglichen Einsätzen seit Beginn des Lockdowns in Südafrika. Allein in der Provinz Nordwest fielen in der Zeit vom Beginn des Lockdowns am 23.3. bis zum 8.4. neun Nashörner den Wilderern zum Opfer. 
Im benachbarten Botswana wurden im gleichen Zeitraum mindestens 8 Nashörner gewildert.
Das Bemerkenswerte daran ist, dass sich die Vorfälle hauptsächlich in Bereichen ereignet haben, die normalerweise touristische Hotspots und daher für Tiere relativ sicher sind. Allein die normalerweise große Präsenz von Touristen, Guides und Rangern macht die illegale Jagd für Wilderer schwieriger.
Um Nashörner in der gegenwärtigen Situation besser zu schützen, hat man im Norden Südafrikas (Pilanesburg National Park, Mafikeng und Botsalano Game Reserve) die bislang größte Enthornungs-Operation durchgeführt. Obwohl nicht unumstritten, ist es doch eine wirksame Maßname zum Schutz der Rhinos.

Neben Nashörnern zählen Elefanten zu den am meisten gewilderten Tieren in Afrika. Etwa 35000 werden pro Jahr abgeschossen.
Die große Anzahl an Touristen, Guides und Rangern stört die Wilderer bei ihrer illegalen Tätigkeit und stellt einen natürlichen Schutz gegen die Wilderei dar.

Im Gegensatz zu Meldungen gemeinnütziger Organisationen berichtet das Department of Environment, Forestry and Fisheries in Südafrika von einem Rückgang der Nashorn-Wilderei seit Beginn des Lockdowns. Auch dafür kann man gute Gründe anführen.
Der Absatz von Horn, Elfenbein und Tierprodukten für die TCM wird von der Nachfrage bestimmt und die ist in Asien seit den bereits ab Februar bestehenden starken Beschränkungen eingebrochen. Das Schmuggeln über Landesgrenzen hinweg ist deutlich riskanter bzw. unmöglich geworden durch verstärkte Kontrollen, Ausgangssperren, wenige und stark kontrollierte internationale Flüge, ständige Flugplanänderungen usw. Etablierte Bestechungs- und Korruptionsketten wurden unterbrochen.

Tierschutz und Tourismus

Staatliche und private Parks und gemeinnützige Tierschutz-Organisationen spielen eine entscheidende Rolle beim Tierschutz. Sie sind in hohem Maße auf Spenden und Einnahmen durch den Tourismus angewiesen. Ohne Tourismus gäbe es keinen effektiven Naturschutz.

Private Parks sind ebenfalls enorm wichtig. Man denke nur an den Boom im Eastern Cape, als ab 1995 zahlreiche Private Game Reserves etabliert wurden und Wild eingeführt haben, welches früher hier beheimatet war. Wirtschaftlich und für den Naturschutz war das bis jetzt eine Erfolgsgeschichte.

Seit Langem sind sich Regierungen, Naturschützer und Industrie einig, dass ein gut geführter Tourismus den lokalen Gemeinden ein wirtschaftliches Interesse am Erhalt der Wildtiere gibt.

In Kenia sichern ca. 160 private Parks die Korridore, die jedes Jahr von Millionen von Tieren bei der großen Wanderung genutzt werden und sorgen für zusätzliche Weideflächen für die staatlichen Parks. Fallen Einnahmen durch den Tourismus weg, werden die Bereiche wieder zu Jagdgebieten und der Landwirtschaft überlassen. Das bedeutet eine große Bedrohung für die größte Konzentration an Wild in der Welt.

Im Jahr 2018 kamen 67 Mio Besucher nach Südafrika und etwa 10 Mio arbeiten im Tourismusbereich. Die Einnahmen sind lebenswichtig für die Finanzierung des Naturschutzes. In Südafrika zum Beispiel stammten rund 85 Prozent der 2018 für die South Africa National Parks bereitgestellten Mittel aus tourismusbezogenen Quellen. In Folge der Pandemie jetzt zeigt sich, dass die hohe Abhängigkeit des Tierschutzes vom Tourismus risikobehaftet ist und man wird in Zukunft nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten suchen müssen.

Unabhängig von der wichtigen direkten Finanzierung von Naturschutzprojekten leben Millionen von Menschen in Afrika vom Tourismus. Durch die Pandemie und das dadurch verursachte vorläufige Ende des Tourismus gehen Arbeitsplätze verloren, Existenzen sind gefährdet, Kommunen und Familien wird die Lebensgrundlage entzogen.
Allein an den Grenzen zum Krüger Park rechnet man mit 2 Mio hungernden Menschen, wenn über einen längeren Zeitraum für Touristen aus Übersee die Einreise nicht möglich sein sollte.

Löwen: begehrt als Trophäe, außerdem werden sie gejagt wegen ihrer Knochen, Pfoten und Hoden. Rückgang um 43% in den letzten 21 Jahren.
Giraffen: gejagt wegen Nahrung, Häute, Hörner, Schwänze. Rückgang um 40% in den letzten 30 Jahren.

Studien haben schon vor langer Zeit den Zusammenhang von Wilderei und Armut dokumentiert. Versiegen die Einnahmen aus dem Tourismus, werden sich die Gemeinschaften zwangsläufig nach anderen Möglichkeiten zum Überleben umsehen.

Anfang des Jahres sah es noch rosig aus. Die Tourismusindustrie in Afrika hatte weltweit die höchsten Zuwachsraten. Das hat sich innerhalb von Tagen bzw. Wochen grundlegend geändert. Die Kombination aus geringem Inlandtourismus gepaart mit dem Focus auf gut zahlende wohlhabende Gäste aus dem Ausland macht die Situation nicht einfacher. Keiner kann im Moment sagen, wie diese in hohem Maße von Besuchern aus Übersee abhängige Industrie die nächsten Monate überleben soll. Das ist nicht nur eine humanitäre Katastrophe, sondern auch eine für die afrikanische Tierwelt.

Julian Rademeyer in Killing for Profit: ‚Wer jemals ein Nashorn in Todesangst gehört hat, dem noch lebendig das Horn mit Macheten und Äxten abgeschlagen wird, der wird das sein ganzes Leben lang nicht vergessen. Das Geräusch ist schwer zu beschreiben und noch noch schwerer zu ertragen.‘

Wie das Virus die Wilderei verändert

Die oben geschilderten Zusammenhänge werden die Wilderei verändern und zwar zum Nachteil für die Tierwelt. Es herrscht allgemeiner Konsens, dass die Beschaffung von Bushmeat, also Fleisch von Wildtieren jeglicher Art (und damit ist wirklich jede Art gemeint!) drastisch zunehmen wird.

Einmal deshalb, weil viele Menschen kein Einkommen mehr haben werden und keine Nahrungsmittel kaufen können. Da wo es möglich ist, wird man auf natürliche Ressourcen zurückgreifen, egal ob das legal oder illegal ist. Die Bevölkerung, die in der Umgebung von touristischen Attraktionen wie Tierparks ihren Lebensunterhalt durch den Tourismus verdient hat, wird auf das zurückgreifen, was die Natur bietet. Wer Hunger hat, dem ist es egal, ob eine Tierart vom Aussterben bedroht ist oder nicht.

Ein weiterer Grund sind die hochspezialisierten und gut ausgebildeten Wilderer, die bislang hauptsächlich Nashörner und Elefanten gejagt haben. Sollte sich das nicht mehr lohnen, werden sie ihre Erfahrung nutzen um Wild zu jagen und um damit wenigstens etwas Geld zu machen.

Nach Aussagen von Andrew Campbell, dem Geschäftsführer der ‘Game Rangers Association of Africa’, ist die Jagd nach Bushmeat auf dem Vormarsch.

Andrew Campbell

“Wir können davon ausgehen, dass dies eine Folge der verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf die Lebensgrundlagen ist und dass die Menschen in diesen Gebieten zunehmend verzweifelt nach Nahrung suchen.”

Wegen der Risiken der Zoonose (Übertragung Viren von Wildtieren auf den Menschen), haben einige afrikanische Regierungen auf die Bedrohung reagiert und den Verzehr und Verkauf von jeglichem Buschfleisch (Malawi am 20. März) sowie Fledermäusen und Schuppentieren (Gabun am 3. April) verboten.

Ein empfehlenswertes Buch über die organisierte Wilderei heißt Killing for Profit. Darin geht es um die Wilderei aus Profit- und Geldgier. Wegen der Corona Pandemie muss man nun eine neue Bedrohung für die Tierwelt befürchten: Killing for staying alive! (Wilderei um zu überleben)

Um nicht wieder rückgängig zu machenden Schaden für die Tierwelt in Afrika zu vermeiden, bleibt nur zu hoffen, dass die Grenzen unter den nötigen Sicherheitsvorkehrungen so schnell wie möglich wieder für internationale Besucher geöffnet werden.

weitere Quellenangaben

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