Warum ist der ‘Afrikanische Pinguin’ (Brillenpinguin) vom Aussterben bedroht?

Ende April war Welt-Pinguin-Tag. Aus dem Anlass hatte ich bereits einen Artikel über die beiden Pinguinkolonien Boulders Beach und Stony Point geschrieben. Wenn man die Pinguine dort sieht, kommt man nicht auf die Idee, dass sie akut vom Aussterben bedroht sind und doch ist das der Fall.

2010 wurde der Status des Brillenpinguins von gefährdet auf stark gefährdet hochgestuft und zurzeit befindet sich der Status an der Grenze zu ‘vom Aussterben bedroht’.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch ca. 1 Mio Brutpaare, 2018 sind davon nur noch 16000 übriggeblieben. Die Grafik unterstreicht das eindrucksvoll:

Chart by Visualizer

Die Gründe für die rasante Abnahme sind vielfältig.

  1. Zerstörung des Lebensraums
  2. das Sammeln von Pinguin-Eiern
  3. Ölverschmutzung
  4. Überfischung
  5. Klimawandel

Der Zerstörung des Lebensraums begann im großen Stil ab 1840 und findet heutzutage nicht mehr statt. Aber die Auswirkungen machen den Pinguinen noch heute enorm zu schaffen und sind mitverantwortlich für den anhaltenden Rückgang der Population.

Das Sammeln von Eiern stellt heute keine Bedrohung mehr dar.

Dafür sind Ölverschmutzung und Klimawandel als neue Bedrohung hinzugekommen und die mit Abstand größte Gefahr für den Fortbestand der afrikanischen Pinguine ist der ungebremste kommerzielle Fischfang.

Zerstörung des Lebensraums

Der Rückgang der Pinguin-Population begann Ende des 15. Jahrhunderts mit der Ankunft der Europäer an den Küsten des heutigen Südafrikas. Ursprünglich wurden Pinguine und Eier gegessen und für die Versorgung der Schiffsbesatzungen genutzt. Ihr Fett diente als Brennmaterial für Lampen und Kocher auf den Schiffen.

Die größte Bedrohung begann mit dem Guano Rush ab 1840. Man hatte den Guano als ausgezeichneten Dünger entdeckt und die bis zu 20 m dicken Schichten des ‘weißen Goldes’ wurde rigoros abgebaut. Die Pinguine mussten dadurch ihr Brutverhalten ändern. Über Generationen hatten sie in dem weichen Guano Löcher gegraben und dort gebrütet. Sie und der Nachwuchs waren vor großen Temperaturschwankungen geschützt, es herrschte eine angenehme Luftfeuchtigkeit und Angriffe durch Vögel wie z.B. die Cape Gull (Kapmöwe) waren minimal. 

linkes Bild: Das Brüten und die Aufzucht der Küken ungeschützt vor Wetter und natürlichen Feinden sorgen für eine geringere Überlebensrate.
rechtes Bild: An heißen Tagen werden die Pinguine mit Wasser abgekühlt. An den geöffneten Schnäbeln erkennt man, dass sie Hitzestress haben.

Nachdem keine dicke Guanoschicht mehr vorhanden war, mussten die Pinguine ungeschützt auf den Felsen brüten und waren seitdem den Naturgewalten ausgeliefert. Obwohl sie sich im Laufe der Evolution an das warme Klima angepasst haben, sind Pinguine weiterhin darauf spezialisiert, Wärme zu speichern. Um sich abzukühlen sind sie nun viel häufiger im Wasser und lassen Eier und Nachwuchs allein. Die werden viel häufiger Opfer von natürlichen Feinden. Hinzu kommt, dass sich seit den 70iger Jahren die Kapmöwe enorm vermehrt hat und eine große Bedrohung für die Eier und den Nachwuchs der Pinguine darstellen. All das führt dazu, dass die Pinguine sich nicht mehr in dem Maße fortpflanzen, wie es früher der Fall war. Auch wenn der Lebensraum jetzt nicht aktuell mehr zerstört wird (nur in Namibia wird noch Guano abgebaut), haben die Ereignisse vor 180 Jahren bis heute einen signifikanten Einfluss auf die Abnahme der Pinguin-Population.

das Sammeln von Pinguin-Eiern

Das Sammeln von Eiern ist die einzige Bedrohung, die früher enorm zum Rückgang der Pinguine beigetragen hat, heute aber keine Bedeutung mehr spielt.

Pinguin-Eier dienten anfangs als billige Proteinquelle für arme Leute. Mit Beginn des Sammelns im industriellen Stil wurden sie immer beliebter und die Nachfrage trieb seltsame Blüten. Auf der Titanic wurde Pinguin-Rührei angeboten und im südafrikanischen Parlament war es Tradition, mittwochs zum Frühstück Pinguin-Eier zu essen. Schwindender Nachschub sorgte dafür, dass die Eier immer mehr zu einer exotischen Delikatesse und für viel Geld nach Europa exportiert wurden.

Einige Zahlen, die das Ausmaß des Raubbaus dokumentieren:

  • zwischen 1920 und ca. 1955 wurde die Hälfte aller gelegten Pinguin-Eier für den menschlichen Verzehr gesammelt
  • 1919 wurden allein auf Dassen Island, einer kleinen Insel gut 50 km nördlich von Kapstadt 600000 Eier gesammelt

Das ungehemmte Sammeln von Eiern führte zu einem rapiden Rückgang der Pinguine sowohl an der Westküste als auch in der Algoa Bay und 1967 wurden das Sammeln und der Handel mit Eiern verboten.

Ölverschmutzung

Eine relativ neue Gefahr droht den Pinguinen durch Ölkatastrophen. Die haben folgende Ursachen:

  • nicht beabsichtigte Unfälle wie z.B. auf Grund laufen und Kollisionen von Schiffen, Beschädigung von Ölpipelines
  • kriminelles Ignorieren von bestehenden Vorschriften oder nicht ausreichende Sicherheitsvorschriften

Seit 1948 gab es vor der Küste Südafrikas 13 größere Unfälle. Besonders große Schäden gab es durch die Unfälle mit der Apollo Sea 1994 und 2000 mit der MV Treasure vor Dassen Island nördlich von Kapstadt. Von der Ölkatastrophe mit der Apollo Sea waren 20000 Pinguine betroffen, 40% der gesamten Population! Die Rettungsaktion für die Pinguine zog sich über 12 Wochen hin und 45000 Freiwillige waren daran beteiligt.

Schon eine geringe Ölverschmutzung sorgt dafür, dass das Federkleid die schützende Fettschicht verliert. Die Pinguine sterben entweder im Wasser durch Unterkühlung oder verhungern an Land. Pinguine, die durch Öl verschmutzt waren, verlieren in starkem Maße für den Rest ihres Lebens die Fähigkeit, Nachwuchs erfolgreich großzuziehen, auch dann wenn sie gerettet, gesäubert und wieder ausgesetzt werden konnten. 

Beim Pumpen von Öl von einem Schiff auf ein anderes (Bunkern) kommt es immer wieder zu Unfällen. Im Juli 2019 liefen dabei in der Algoa Bay 400 Liter aus und bildeten einen großen Ölteppich. Inzwischen gab es bereits 3 Unfälle, nachdem erst 2016 das Bunkern erlaubt wurde. Normalerweise muss in ökologisch sensiblen Gebieten mit Auslegern gearbeitet werden, die Vorschrift gilt aber nicht in der Algoa Bay. Ab dem 1.April 2022 wurde außerdem das Moratorium zur Vergabe weiterer Bunker-Lizenzen aufgehoben.

Völlig inakzeptabel ist das illegale Reinigen von Tanks auf hoher See und das Abpumpen von kontaminiertem Bilgenwasser ins Meer. Leider kommt diese Praxis immer noch vor und sorgt zusätzlich für Ölverschmutzungen.

Überfischung

Die Hauptnahrung der Pinguine besteht aus Sardinen und Sardellen. Über Jahrtausende gab es genug für Pinguine und ihre Hauptkonkurrenten wie z.B. Robben, größere Raubfische, Seevögel wie Möwen und Gannets (Tölpel). Ab 1950 erhöhte der kommerzielle Fischfang seine Fangquoten dramatisch und es war vorbei mit dem natürlichen Gleichgewicht. 

Bei Fangquoten von 400000 t pro Jahr wurde das Nahrungsangebot im Umkreis von 20 – 30 km von Nistplätzen deutlich geringer. Vor der Küste Namibias kollabierte der Sarbinen-Bestand um 1970 und sorgte für einen Rückgang der Pinguine um 85%. Nach einer Studie, die an der West Coast durchgeführt wurde, ist die Population an Sardinen und Sardellen innerhalb von 100 Jahren um 80 – 90% zurückgegangen.

linkes Bild: Auch Pinguine, die eine Ölverschmutzung überlebt haben und gesund aussehen, haben große Probleme, danach erfolgreich zu brüten.
rechtes Bild: Die Kapmöwe stellt eine ernstzunehmende Gefahr für den Bestand der Pinguine dar. Man bezeichnet sie auch als ‚Pest Species‘.

Die erfolgreiche Aufzucht von Nachwuchs ist in hohem Maße von genügend Nahrung abhängig. Ist zu wenig im normalen Umkreis der Brutstätten vorhanden, müssen die Eltern länger im Wasser bleiben, verbrauchen mehr Energie und können sich nicht gut genug um die Küken kümmern. Die werden deshalb vermehrt Opfer der weiter oben bereits erwähnten Kapmöwe. Pinguine, die überleben haben oft eine schwächere körperliche Konstitution und ein geringeres Gewicht als normal. Es dauert dadurch länger, bis sie flügge werden und wenn sie dann erwachsen und auf sich gestellt sind, sind ihre Überlebenschancen geringer.

Pinguine passen ihr Brutverhalten an die äußeren Verhältnisse an. Sind die schlecht, investieren sie nicht so viel in die Fortpflanzung, sondern mehr in das Überleben. Außerdem brüten sie nicht so leicht wieder, wenn sie Küken verloren haben. All das führt dazu, dass die Reproduktionsrate durch Überfischung und dadurch angestoßene Folgeschäden sinkt.

Klimawandel

Der Klimawandel wirkt sich in mehrfacher Hinsicht negativ auf den Bestand der Pinguine aus. Steigende Meerestemperaturen führen dazu, dass die Nahrungsquellen für Fische und dadurch auch für Pinguine knapper werden. 

Steigende Meeresspiegel, Hitzewellen und zunehmend schwere Stürme sorgen dafür, dass bei dem heutigen Brutverhalten der Pinguine deutlich weniger Küken überleben können.

Fazit

Es sieht nicht gut aus für den Afrikanischen Pinguin. Wenn man die Abwärtsspirale der Geburtenrate nicht stoppen kann, wird es in 20 bis 30 Jahren keine freilebenden Pinguine mehr geben.

Quellenangaben: